Gerade in polarisierten Zeiten ist es eine wichtige Aufgabe, sich „weder von der Macht der anderen, noch von der eigenen Ohnmacht (…) dumm machen zu lassen“ und damit auf der Differenziertheit und Komplexität der Nationalismen, Rassismen und Antisemitismen der vielfältigen Migrationsgesellschaft zu beharren. Gleichzeitig muss die Feststellung, dass mannigfaltige Ideologien der Ungleichwertigkeit und kaum zu fassende unterschiedliche Praxen des Othering, der Diskriminierung und Marginalisierung existieren, keineswegs damit einhergehen, dass die Forderung nach Freiheit und Gleichheit aller Menschen
relativiert oder gar aufgegeben wird. Vielmehr ist beides notwendig: eine differenzierte Analyse, die die komplexen und bisweilen widersprüchlichen gesellschaftlichen Realitäten erfasst, und eine klare politische Positionierung, die auf der Idee von Liberté, Égalité, Fraternité beharrt. Diese Forderung, die sich recht einfach aufschreiben lässt, ist jedoch deutlich schwerer umsetzbar, wie die Betrachtungen über die Debatten um den türkischen Nationalismus gezeigt haben. Auch in vielen ähnlichen Debatten und Konfliktfeldern sehen wir solche Probleme und Herausforderungen. So bleibt es weiter offen, ob der Anspruch, gleichzeitig intersektional zu denken und emanzipatorisch zu handeln, von den Akteur:innen der Debatten um Nationalismen, Rassismen und Antisemitismen erfüllt werden kann.